19.07.2010, Von Vampiren und Pop-Giganten, Märkische Allgemeine Zeitung
 

Feuerwerkersinfonie endet mit finnischem Sieg

POTSDAM / BORNSTEDTER FELD - Es war eine Feuerwerkersinfonie der Überraschungen. Doch leider waren nicht nur erfreuliche darunter. So waren auch die Feuerwerker darüber erfreut, dass es nicht kurz vor oder sogar während ihrer Darbietungen regnete – eine Seltenheit in den neun Jahren, in denen der Volkspark mittlerweile zur Pyrotechnik-Party einlädt. Doch Christian Neuhaus und seinen Kollegen von „Magic Fireworks" aus Wuppertal wäre im Nachhinein Regen sicher lieber als der Wind gewesen, der am Nachmittag in Böen übers Gelände fegte. Innerhalb von Sekunden zerstörte der ein 30 Quadratmeter großes Lichterbild, an dem die Feuerwerker zuvor tagelang gebaut hatten – es war nach dem Sturz nicht mehr zu gebrauchen. Tränen flossen sogar. Doch in der Zeit bis zum Auftritt griff der Notfallplan. Statt eines großen Schlosses erlebten die Gäste beim „Tanz der Vampire", dem ersten Feuerwerk des Sonnabends, eine Fledermaus als Lichterbild – passend zu den Melodien des Blutsauger-Musicals. Große Emotionen weckte die Ballade „Totale Finsternis" – statt wie üblich zu klatschen, schwiegen die Menschen ergriffen.

Ganz anders beim finnischen Beitrag „Dance in the Park". Getragen erklangen Glocken in der Finsternis des Parks, als das zweite Feuerwerk des Sonnabends begann. Doch mit einem Knall wurde die innere Ruhe zerfetzt. Von nun gab es bis zum Ende nur noch ein Tempo: Vollgas! Die Trommeleinlagen des Safri-Duos und andere Discotitel untermalten die beeindruckenden Bilder am Himmel – selbst der einstige Schockrocker Alice Cooper und sein Hit „Poison" wurden ins „Tanzbar"-Gewand gezwängt. Die Darbietung, die mit einer die Augen blendenden Materialschlacht am Himmel endete, begeisterte viele Gäste restlos – sie tanzten ekstatisch. Das Telefonvoting war aber ausgeglichen: 266 Gäste stimmten für die Vampire, 367 Stimmen sicherten der Disco-Darbietung den Tagessieg.

Bereits am Freitagabend hatten die Titelverteidiger von „Potsdamer Feuerwerk" Startschwierigkeiten: Die Zündsequenzen ihrer Aufführung „Klassik meets Pop" waren gestört. Doch nach einigen Augenblicken klang dann doch noch Beethoven aus den Lautsprechern, während die ersten Bomben in den Nachthimmel stiegen. Herbert Grönemeyer mit der Live-Aufnahme von „Flugzeuge im Bauch", die Tenöre von „Adoro" mit ihrer ergreifenden Version vom Rosenstolz-Hit „Liebe ist alles" – die Musikauswahl wirkte zunächst nicht wie aus einem Guss. Doch die Pyrotechniker um Thomas Schenkluhn setzten die richtigen Akzente. Nachdem an zweiter Stelle Matthias Kürbs mit „King of Pop" dem im letzten Jahr verstorbenen Michael Jackson eine Hommage gewidmet hatte, wurden die Experten der Jury überrascht: Während die Profis sich mehrheitlich für „King of Pop" ausgesprochen hatten, wählten die Zuschauer mit 260 zu 66 Telefon-Voting-Stimmen „Klassik meets Pop" zum Tagessieger – ein bisher einmaliger Vorgang. Doch nach dem finnischen Auftritt vom Sonnabend war schnell klar, wer der große Sieger ist. (Von Sebastian Scholze)

 
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Volkspark Potsdam