16.07.2007: Geschrien vor Glück, Märkische Allgemeine Zeitung, Nachlese

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Begeisterung für bombastische Shows

von Stefan Sperfeld

BORNSTEDTER FELD Spektakuläre Pyro-Effekte und ausgefeilte Choreografien ließen die gebannt an das nächtliche Firmament starrenden Gesichter in immer neuen Farbfacetten erstrahlen. Offene Münder und aufgerissene Augen verrieten die Begeisterung des Publikums, das Freitag- und Sonnabendabend der sechsten Auflage der Feuerwerker-Sinfonie beiwohnte. Das erstmals international besetzte Spektakel war in jeder Hinsicht ein Fest der Superlative. So pilgerten insgesamt mehr als 26000 Menschen in den Volkspark – „ein neuer Besucherrekord“, wie Leiterin Diethild Kornhardt stolz bekannt gab. Zudem habe die Qualität der von der MAZ präsentierten Feuerwerker-Sinfonie im Vergleich zu den Vorjahren einen „Quantensprung“ gemacht.

Was die vier Pyro-Künstler darboten war „bombastisch“, gestand auch Szenekenner Markus Klatt, der sich als Berichterstatter und Juror bei international renommierten Feuerwerkerveranstaltungen einen Namen gemacht hat. „Dazu kommt dieses fantastische Gelände, das dem Publikum eine ungewöhnlich große Front bietet.“ Entsprechend begeistert fielen die Reaktionen der Zuschauer aus, die mit einer großen Mehrheit Titelverteidiger Sebastian Hoferick von „Pyro-Form“ am besten fanden, der am Freitagabend den Wettbewerb eröffnete. „Ich musste schreien, so geil war das“, versuchte etwa Ute Apitz zu formulieren, was nur schwer in Worte zu fassen ist. Der erst 19-Jährige inszenierte seine abwechslungsreiche Komposition „Kraft der Liebe“ äußerst materialintensiv und eroberte mit pompösen Bildern die Besucherherzen. Vor allem die gut abgestimmte Inszenierung des russischen Volkstanzes Kalinka entlockte vielen ein bewunderndes Raunen und das rasante Finale zu „I’d would do anything for love“ von Meat Loaf war „grandios“, sagte Karsten Treue.

Die zehnköpfige MAZ-Leser-Jury, die von Experten eingewiesen wurde und die jeweils rund zehnminütigen Shows nach fünf Kriterien bewertete, sah das mehrheitlich jedoch anders. „Die Effekte waren atemberaubend, aber durch die Masse haben sie sich nach kurzer Zeit selbst ihrer Wirkung beraubt“, fand die 40-jährige Katrin Götz. Es war ihr „überladen“. „Das war bestimmt jugendlicher Leichtsinn“, entschuldigte Jury-Mitglied Rainer Wilhelm, der das Stück des Abiturienten auch „ein wenig überladen“ fand. Die erfahrenere Konkurrenz setzte der überdimensionierten Overtüre stärker akzentuierte Choreografien entgegen, die von der Jury allesamt besser eingestuft wurden. In einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Christian Neuhaus von „Magic Fireworks“ und dessen feuerwerksinfonischer Umsetzung von „Lord of the Dance“ hatte schließlich der 43-jährige René Langer vom österreichischen Team „Steyr Fire“ die Nase Vorn. Mit seiner Choreografie zum Thema „Liebe und Musik“ überzeugte der Debütant auf Anhieb mit einem perfekten Zusammenspiel von Klängen und Bildern. „Das war sehr synchron und harmonisch“, sagte Ulla Frohböse. Die Takte am Himmel ablesen zu können, habe die ohnehin emotionalen Lieder „Iwas born to love you“ von Queen und „Music“ (Music was my first love) von John Miles noch mehr unter die Haut gehen lassen – besonders in den temporeichen Stepper-Passagen.

Damit steht schon jetzt fest, dass auch die siebte Auflage im nächsten Jahr international besetzt sein wird. Traditionell wird René Langer dann als Titelverteidiger den Wettbewerb am Freitag eröffnen.

 
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Volkspark Potsdam